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Local Heroes & Global Players – Kommunale Wirtschaftsförderung: Was sind ihre Aufgaben? Was kann sie wirklich leisten?

Die Betreuung und Unterstützung der örtlichen Betriebe ist eine klassische Aufgabe kommunaler Wirtschaftsförderung. Was bedeutet dies heute konkret in einer globalen und vernetzten Welt, in der es zum Teil gar keiner zwingenden Verortung in der Realität mehr bedarf? Welchen Beitrag kann eine Kommune zur Erhaltung und Stärkung der lokalen Wirtschaftskraft überhaupt leisten? Welche Anforderungen stellen zukünftige Industrie- und Wirtschaftsbetriebe an ihren Standort?

Wurde die Nachbargemeinde noch vor einigen Jahren als Konkurrent im Wettbewerb um einen neuen Discounter bekämpft, so haben sich heute viele Gemeinden in einer Region zusammengeschlossen und verfolgen abgestimmte Einzelhandelskonzepte. Ziele sind dann z.B. lebendige Innenstädte, die Verringerung von Leerflächen und eine Reduzierung des Flächenverbrauchs. In der Konsequenz kann dies durchaus zu einer Ablehnung eines neuen Discounters mit nur wenigen billigen Arbeitsplätzen führen.

Dieses Beispiel zeigt, dass viele Aufgaben von der lokalen Wirtschaftsförderung nicht mehr alleine gelöst werden können. Sie müssen in einem viel stärkeren Maße mit Nachbargemeinden oder Regionen kooperieren, um sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Sehr eindrucksvoll zeigt sich dies in den sogenannten europäischen Metropolregionen wie beispielsweise München oder Nürnberg, die mit internationalen Standorten wie Wien, Zürich oder London um Arbeitsplätze und Investitionen konkurrieren. Die Metropolregion Nürnberg umfasst 150.000 Unternehmen und 3,5 Mio. Einwohner – ohne erfolgreiche Stadt-Land-Partnerschaften wäre dies nicht zu bewältigen. Netzwerke, Kooperationen und Kontakte über den eigenen Wirkungskreis hinaus sind für den Wirtschaftsförderer von heute von herausragender Bedeutung.

Neben den harten Faktoren wie Gewerbesteuer, Grundstückspreise oder Infrastruktur werden die weichen Standortfaktoren wie ein familienfreundliches Umfeld, qualifizierte Arbeitskräfte, Kunst und Kultur für die Standortentscheidung von Unternehmen immer wichtiger. Damit geht die Wirtschaftsförderung von ihrer klassischen Aufgabenstellungen weiter zu den Themen Stadt- und Regionalentwicklung. Integrierte Stadtentwicklung, integrierte ländliche Entwicklung oder die Bedeutung kommunaler Energiekonzepte sind Schlüsselbegriffe, die in den nächsten Jahren noch an Bedeutung gewinnen werden.

Die Einbindung von Unternehmen in Wissenschafts- und Politikstrukturen, das Ermöglichen von Kooperationen und Netzwerken zwischen diesen Akteuren, aber auch in der Region, stehen damit auf der Agenda der Wirtschaftsförderung. Hochaktuell und von erheblicher Brisanz sind die neuen Formen der Bürgerbeteiligung, die eine andere Verantwortungskultur fordern. Kommunen müssen sich diesen neuen und innovativen Formen der Bürgerbeteiligung öffnen und Entscheidungen gemeinsam mit Bürgern/-innen entwickeln.

Kommunale Wirtschaftsförderung – ein spannendes, aktuelles und politisches Thema mit vielen neuen Herausforderungen. Fangen wir an!

 

Ansprechpartnerin:
Gertraud Kast
Telefon: (089) 21 26 74-20
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